Dance Geschichte Tanz Geschichte
Dance Impressum

 

Impressum Dance

DANCE – Geschichte 1987 bis 2008


1987 initiierten Brigitte von Welser und Bettina Wagner-Bergelt (damals Abteilung Musik, Theater,
Tanz des Kulturreferates der LH München) das internationale biennale Tanzfestival DANCE als Eigenveranstaltung des Kulturreferats.

Das Münchner Publikum hatte bis dahin wenig Gelegenheit gehabt, sich mit dem internationalen Standard des zeitgenössischen Tanzes vertraut zu machen. Vereinzelte herausragende Gastspiele in der Alabama Halle bildeten Oasen in einer Wüste. Entsprechend gaben die ersten beiden Veranstaltungsserien (in Verbindung mit NEW DANCE im Marstall, das nach Ausscheiden seines Initiators Walter Haupt ebenfalls von Bettina Wagner-Bergelt kuratiert wurde) anhand von Gastspielen von William Forsythe und dem Ballett Frankfurt, europäischer und amerikanischer Compagnien wie den Minimalisten Anne Teresa de Keersmaeker/Rosas und Group Krisztina de Chatel, den Ensembles von Wim Vandekeybus, Merce Cunningham, Trisha Brown, der Alwin Nikolais Dance Company, Steven Petronio Company und Bill T.Jones, Gastspielen zu den Konzepten der mechanischen Bauhausbühne (Schmid, Moholy–Nagy,) u.a. mit den Schlemmer-Tänzen mit Gerhard Bohner sowie u.a. mit Trisha Brown und Lucinda Childs Dance Company einen Schwerpunkt zum Postmodern Dance in den USA einen ersten systematischen Überblick über die Tanzentwicklung von den zwanziger Jahren bis in die Gegenwart. Verantwortlich für Programmkonzeption und Realisierung war 1987 und 1989 Bettina Wagner-Bergelt (1989 Mitarbeit Hortensia Völckers).

Mit Martin Bergelt und Hortensia Völckers erhielt das DANCE Festival 1991 eine differenzierte thematische Ausrichtung und Ausweitung:
Zum ersten Mal waren viele Münchner Veranstalter und auch Sponsoren beteiligt, das Programm erlangte - noch entschieden mehr als zuvor - durch Kooperationen, umfangreiche und hochkarätige Anthologien und Publikationen zum Festival -Thema, Ausstellungen (u.a. mit Arbeiten von Jenny Holzer), Filmreihen, Symposien und vor allem genreübergreifenden Produktionen von Reza Abdoh, Saburo Teshigawara, LaLaLaHuman Steps, Trisha Brown, Neuer Tanz Wölfl/Golonka, Jan Fabre, Stellarc und anderen internationalen Avantgarde -Vertretern wegweisendes Niveau:

Zum ersten Mal gab es ab 1991 unter der künstlerischen Leitung von Völckers & Bergelt wissenschaftliche Rahmenthemen, die weit über eine tanzimmanente Fragestellung hinausgingen und die Martin Bergelt in den begleitenden Publikationen des Hanser Verlags wissenschaftlich aufarbeitete.
Während DANCE 1991 unter dem Motto „Zeit - Räume“ stand, ging es in DANCE 93 um den dialektischen Zusammenhang der beiden Pole „Ordnung und ZerStörung“. Damals wurde in einigen höchst spektakulären Produktionen vorgeführt, dass und wie es jungen, noch wenig bekannten Choreografen um das Sichtbarmachen von Aggression und Emotion ging - als einer Reaktion auf die als zynisch empfundene Reduktionsformel: Kultur ist gleich Kommunikation und/oder Unterhaltung.
DANCE ‘95 (ebenfalls Künstl. Leitung: Martin Bergelt/Hortensia Völckers) beschränkte sich mit dem Thema „körper formen“ nicht etwa auf den Tanzkörper und die klassische Bedeutung der Choreografie, sondern suchte den Weg zu innovativen Techniken und damit zu neuen Körperformen.

Mit der den heutigen allgemeingesellschaftlichen Diskurs vorwegnehmenden Themengestaltung und der Präsentation der aktuellsten Produktionen der internationalen Tanz-Theater-Avantgarde hatten Völckers & Bergelt DANCE endgültig als ein überregional anerkanntes Konzeptfestival moderner Prägung durchgesetzt.
Danach entstand ein Bruch in der Konzeption und DANCE 98 wurde ein Themenfestival zum 50.Geburtstag der Gründung Israels. SpielArt vertrat im folgenden die genre-übergreifende Konzeption von DANCE, allerdings mit Schwerpunkt Sprechtheater im weitesten Sinn.

Unter erheblichem Zeitdruck und mit reduzierten finanziellen Mitteln musste sich angesichts der Geburtstagsfeierlichkeiten Israels DANCE 1998 unter der Leitung von Cornelia Albrecht mit der Frage beschäftigen, welchen Anteil an der jüngsten Tanzentwicklung und Ausgestaltung jüdische Künstler in Israel und im internationalen Kontext hatten. Es gastierten erstmals Ohad Naharins Batsheva Dance Company, Kibbutz Dance aus Israel und Galili Dance aus den Niederlanden in München.
Im März 2000 folgte unter der künstlerischen Leitung von Gabriele Naumann DANCE 2000, das Fragen von Interkulturalität und globalem Austausch von Ideen und Konzepten ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte. Mit seinem Schwerpunkt auf nicht-europäischen Arbeitsformen bot das Festival den Rahmen zu einer Auseinandersetzung über lokale und regionale Grenzen hinaus. Es hatte mit seinem zumeist außereuropäischen Programm einen ungeheuren Besucheransturm.

Im Oktober/November 2002 veranstaltete die Landeshauptstadt München DANCE zum achten Mal. Das Motto des Programms, das wieder von Cornelia Albrecht zusammengestellt wurde, lautete nun "Die Spur auf den Dingen" und suchte wieder Berührungspunkte mit anderen Kunstrichtungen. Dazu bot das Festival durch sein Begleitprogramm die Möglichkeit zum unmittelbaren Kontakt und Gedankenaustausch mit den Gästen. Der Schwerpunkt "Zeitgenössischer Tanz aus Québec" bot einen Einblick in die regionale Szene der frankophonen Region Kanadas. Höhepunkte waren wie schon in vorherigen Festivals u.a. die Vorstellungen von Gruppen wie der Merce Cunningham Dance Company, Lalala Human Steps aus Montréal, Neuer Tanz/VA Wölfl’s Bilderrätsel "Greenspans Aktentasche". Außerdem Frederic Flamands Charleroi Danse/Plan K mit "Moving Target", John Jasperses "Giant Empty", das Hans Hof Ensemble mit "Bureau", Gilles Jobins "Under Construction" sowie die Beiträge von Sol Pico, Chris Ziegler/Imlata Dance, La Ribot und Daniel Leveillé Danse.

Nahezu alle Projekte von DANCE entstanden in enger Zusammenarbeit mit unterschiedlichen internationalen und lokalen Institutionen und Organisationen. Es war und ist ein Wesenszug von DANCE, sich in einem Netzwerk von nachhaltigen Kooperationen mit kulturellen Institutionen und Kräften in München partnerschaftlich zusammenzutun. Dazu gehört eine schon traditionelle Unterstützung bzw. Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, dem Bayerischen Staatsballett, (das traditionell fast zu jeder DANCE Ausgabe eine Produktion beisteuerte: Ohad Naharin, VA Wölfl/Neuer Tanz, Ducourt, Toni Rizzi), und dem Staatstheater am Gärtnerplatz, der Ludwig-Maximilians-Universität, Stadtbibliothek, Gasteig, Muffathalle, den in München ansässigen Kulturinstituten, E.on Energie, Joint Adventures und vielen anderen.

Nach wie vor gilt, im Rahmen von DANCE aufzuzeigen, dass Tanz als risikofreudige und innovative Form der darstellenden Künste sich konsequent zu allen Kunstformen und neuen Medien in Beziehung setzt – dabei neue Schnittflächen bildet, die Grenzen der Genres in Frage stellt und so herausfordernd auf alle – nicht nur die darstellenden Kunstformen - zurückwirkt.
Das Festival hat sich unter diesem Gesichtspunkt als viel beachtete Plattform für internationale Gastspiele erwiesen, und es versucht 2008 besonders intensive Vernetzungen mit der Tanzszene der Stadt und Stadtteilprojekten, um hier vor Ort produktiv-kreative Akzente zu setzen.